Frau sitzt angespannt in einem Sessel und stellt sich vor, in einer Zwangsjacke zu landen, während sie über Hilfe bei Panikattacke nachdenkt.

Episode 3 – Mut, um Hilfe zu bitten… oder wie mir ein Gespräch eine kleine Lampe im Tunnel geschenkt hat (ohne Zwangsjacke, versprochen)

Das (falsche) Bild vom Scheitern

Also gut. Sagen wir es, wie es ist: Für mich war der Gedanke, eine psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, irgendwie gleichbedeutend mit dem Gefühl, versagt zu haben. Als hätte ich es nicht geschafft, „stark genug“ zu sein – allein.

Hilfe bei einer Panikattacke zu suchen fühlte sich für mich damals wie ein Eingeständnis von Schwäche an. Das Wort „Theraupeut“ wirkte wie ein übergroßer Spiegel, der meine Unfähigkeit reflektierte, mit mir selbst klarzukommen.
(Spoiler: Das ist völliger Quatsch. Aber dazu gleich mehr.)

Und trotzdem – irgendwann habe ich es getan. Ich saß in einem weichen Sessel, gegenüber eine Person mit ruhigem, warmem Blick.Und dann kam meine erste Frage, direkt aus meinem überforderten Hirn geschossen:

– Denken Sie, dass ich irgendwann in der Zwangsjacke lande?

Ja. Das habe ich wirklich gefragt. (Grüße an alle aus dem Club der stillen Dramatischen.) So weit kann einen eine Panikattacke treiben – und so sehr kann man gleichzeitig Angst davor haben, Hilfe anzunehmen.

Eine Antwort, die trifft

Die Fachperson zuckte nicht mal mit der Wimper. Stattdessen sagte sie:

– Keine Sorge. Wir sind hier nicht in «Einer flog über das Kuckucksnest»

(Ab da mochte ich sie.)

Dann sagte sie etwas, das meine ganze Logik auf den Kopf stellte:

– Wenn Du Zahnschmerzen hast, gehst Du zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt. Warum also warten, wenn die Seele wehtut?

BAM. Eine einfache Wahrheit. So klar. So logisch. So offensichtlich. Und doch hatte ich Monate gebraucht, um überhaupt in die Nähe dieser Erkenntnis zu kommen.

Unsichtbarer Schmerz ist real

Wir unterschätzen oft den Schmerz, den man nicht sieht. Der nicht hinken lässt. Der keine Schwellung verursacht. Der keine blauen Flecken hinterlässt. Und trotzdem ist er da. Still, hartnäckig, zermürbend. Und manchmal raubt er mehr Energie als eine fiese Grippe.

An diesem Tag wurde mir klar: Man kann erschöpft sein, ohne je gerannt zu sein. Man kann innerlich schmerzen. Und es gibt Menschen, die dafür ausgebildet sind, genau da zu helfen. Gerade bei Panikattacken kann professionelle Hilfe den Unterschied machen, auch wenn man sich das lange nicht eingestehen will.

Ein Satz, der bleibt

Dann sagte diese Person einen Satz, den ich nie wieder vergessen werde:

– Der Verstand tropft in die Seele.

Poetisch, nicht wahr?

Was sie eigentlich sagen wollte, ist ganz einfach. In der Therapie wird gesprochen. Man findet Worte für das, was weh tut, für das, was man nicht versteht, für das, was man viel zu lange in sich getragen hat. Man entwirrt die Dinge. Man betrachtet sie aus einer neuen Perspektive und gibt ihnen einen Sinn. Und nach und nach beginnt sich diese Arbeit im Kopf auch an anderen Orten niederzulassen. Im Körper. In den Emotionen. In der Seele. Ein Gespräch verändert nicht alles auf einmal. Aber mit der Zeit beginnt das, was wir verstehen, auch das zu verändern, was wir fühlen.

Und dann kam auch eine klare Ansage: Keine Abkürzung. Kein Reset-Knopf.

– Das wird Zeit brauchen. Es liegt Arbeit vor Dir. Aber Du wirst es schaffen.

Und da, in diesem Raum, in dem ich anfangs zusammengesunken wie ein zerknüllter Pullover saß, spürte ich plötzlich etwas: Hoffnung. Nicht wie ein riesiger Kinostrahler. Eher wie ein Nachtlicht – ganz klein, ganz zart, aber immer an. Und genau diese leise Leuchte gab mir den Mut für einen ersten Schritt.  Dann für noch einen.

Das Wichtigste: Ich wurde nicht verurteilt. Nicht ein einziges Mal. Und das – ganz ehrlich – ist unbezahlbar.

Frau sitzt entspannt im Sessel, lächelt erleichtert und spürt Hoffnung, nachdem sie Hilfe bei einer Panikattacke angenommen hat.

Der echte Anfang

Ich bin nicht geheilt aus diesem ersten Termin gegangen.

Aber ich ging ein kleines Stück aufrechter. Ein kleines Stück ruhiger.

Und vielleicht ist genau das der Anfang: Hilfe bei einer Panikattacke anzunehmen und sich begleiten zu lassen – auch wenn man noch nicht weiß, wohin der Weg führt.

Und Du?

Gab es bei Dir einen Moment, in dem Du Dir erlaubt hast, um Hilfe zu bitten?

Hast Du schon mal gespürt, wie erleichternd es sein kann, einfach nur von jemandem gehört zu werden – wirklich gehört?